11. Oktober 2020 , 06:00 Uhr
von Marc Eggert

Wir sind es gewohnt: spätestens zum Saison-Beginn oder zum Trainerwechsel im November nach dem obligatorischen Augsburg-Spiel steht beim VfB ein Umbruch oder Neustart an. Ich weiß es genau, dass ich diesbezüglich nicht mehr zu schnell begeistert und gutgläubig sein soll. Das erste und letzte Mal in den letzten Jahren begeisterte mich der Umbruch auf der Mitgliederversammlung 2013, als Bernd Wahler VfB-Präsident wurde und alles zumindest theoretisch gut klang. In der Folgezeit wurde nahezu jährlich ein Neuanfang oder Umbruch ausgerufen oder zumindest behauptet, dass „jeder Stein umgedreht werde“.

Diesmal ist allerdings tatsächlich alles anders wie die Jahre zuvor und ich kann es gar nicht mal an einem Datum festmachen, wann dieses VfB-Feeling zuletzt dermaßen überzeugend und identifizierend da war. Natürlich war da 2007 die Meisterschaft – ein unfassbares Gefühl und dazu auch noch irgendwie unerwartet. In der Folge verstand es die Club-Führung allerdings nicht, einen solchen Zwischenerfolg in langfristigen Erfolg zu münzen. Unglückliche Entscheidungen, Pech und eine gewisse Selbstüberheblichkeit beförderten den VfB in eine Abwärtsspirale, die m.E. bis heute anhielt. In den Jahren um 2009 herum waren die größten Aufreger beim sog. schwierigen Umfeld, dass entweder die Hin- oder die Rückrunde vergeigt wurde. In Foren war zu lesen, dass der VfB jährlich Meister werden und absteigen könnte, wenn man die Saisons ganzjährig zählen würde.

Bereits 2010 organisierte sich die „Aktion VfB 2011“ aus Teilen des damaligen Forums der Stuttgarter Zeitung und des VfBs (allesamt VfB-Mitglieder). Ich war ebenfalls ein Teil davon – wenn auch eher mit Organisation und technischer Unterstützung beauftragt. Unser Ziel war es, hauptsächlich Satzungsänderungen herbeizuführen, nach welchen u.a. mehrere Präsidentschaftskandidaten zur Wahl gestellt werden können. Wir hatten hierzu Helmut Roleder als Kandidaten am Start.
Es hat sich allerdings sehr schnell herausgestellt, dass es als externe Gruppierung natürlich deutlich schwieriger gestaltet, die Mitglieder überhaupt umfassend zu erreichen und zu informieren. Das ist natürlich für den Verein selbst deutlich einfacher, sind dort sämtliche Kommunikationslisten vorhanden, um Mitglieder postalisch oder via E-Mail zu erreichen.

„In einer bemerkenswerten Kampagne brachte der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Dieter Hundt den Favoriten Mäuser in Stellung. In einem „Online-Special zur Mitgliederversammlung“ kommt dabei sogar der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, zu Wort.

Seifert hält „das Gebaren selbsternannter Reformer oder Oppositionsgruppierungen“ für bedenklich. „Zu einem Zeitpunkt, an dem Geschlossenheit das Maß aller Dinge sein musste, wurde Unruhe in den Verein getragen“, schrieb er auf der VfB-Homepage.

— Westfälische Rundschau

Unter anderem wurden unsere Satzungsänderungen abgelehnt und dies damit begründet, dass dem VfB der Lizenz-Entzug drohe, würden die Mitglieder für solche Änderungen stimmen. Die Satzungsänderungen wurden natürlich nicht angenommen – was den VfB nicht daran hinderte, ein paar Jahre später eben genau diese Satzungsänderungen (mehrere Präsidentenkandidaten zur Wahl stellen) selbst vorzuschlagen und dann umzusetzen. Auf der entsprechenden historischen Mitgliederversammlung 2011 wurde G. Mäuser zum VfB-Präsidenten gewählt. Sehr viel weiter möchte ich diese Geschichte gar nicht ausführen. Mit dem VfB ging es bekanntlich auch weiterhin Jahr für Jahr ein Stück weiter bergab.

Heute stehen wir nach einem Saison-Beginn und m.E. einer bislang erlebten Mannschaft, wie ich sie seit über 10 Jahren nicht mehr auf dem Platz gesehen habe. Ein Team und Spieler, die kratzen und beissen und für den Gegner maximal unangenehm sind. Diese ganzen überheblichen Auftritte von satten Mannschaften des VfB scheinen vorbei zu sein. Diesmal ohne den angekündigten Umbruch, sondern als Antwort auf Bedenken des schwierigen Umfelds, dem ich sicherlich auch angehöre.

So abwegig es klingt: Selbst der aktuelle Datenskandal beim VfB könnte mehr reinigende und abschließende Wirkung haben und eher nicht schädlich für den Verein sein – sieht man von möglichen Strafzahlungen mal ab. Denn: sollten diese Machenschaften aufgeklärt werden und in einen ehrlichen und transparenten Umgang münden, werden genau diese Vorbehalte gegenüber der Vereins- und Firmenleitung zumindest meinerseits ausgeräumt. Für mich sind die Vorgänge aus 2011 nicht vergessen und ich bin auch bis heute noch beeindruckt (im negativen Sinne), zu welchen Brechstangen-Methoden mein Verein in der Lage war. Die „Aktion VfB 2011“ bestand schließlich aus Mitgliedern des Vereins.

Natürlich könnte die derzeitige Begeisterung meinerseits wiederholt zu früh sein, allerdings sind die Zeichen in den letzten Jahren noch nie in einem solch guten Licht gestanden. Das Wichtigste ist aber: Es sind diesmal nicht (nur) Worthülsen und Versprechungen und Ankündigungen: Nein, es sind Taten, Ergebnisse und Verhaltensweisen, die mich derzeit überzeugen, dass die Talfahrt jetzt zuende ist.

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