31. Mai 2019 , 19:02 Uhr
von Marc Eggert

Der VfB ist 2016 kurz und schmerzlos abgestiegen. Nur drei Jahre später erwischt es den Club wieder – wenn auch dieses Mal mit bangem hoffen und Leiden bis zur letzten Spielminute über die Relegation.

Vor einigen Jahren sahen die Mitglieder schon Probleme innerhalb der Strukturen des VfB. Die Vereins-Oberen greifen zu sehr ins operative Geschäft ein, planen für einen Fußball-Verein völlig falsch und setzen auch bei Transfers aufs falsche Boot. Hatte man vor einigen Jahren noch zumindest die Chance, sich mit dem Instrument des e.V. zu wehren, nämlich der Mitgliederversammlung (MV) – so ist diese Chance inzwischen abgewählt. Mehrheitlich. Vom allerdümmsten Kalb.

Auf die Besetzung des Aufsichtsrats oder Vorstands der AG hat die Mitgliederversammlung keinen direkten Einfluss mehr.

Versucht man allerdings, die Gründe für diese miserable Saison zu finden, wird man auch nicht sofort fündig. Gab es nach dem letzten Abstieg einen deutlich spürbaren Aufschwung und Neu-Anfang des Vereins, so wurde dieser bereits in der Vorbereitungsphase zur Rückkehr in die Bundesliga wieder zerstört. Es ist freilich schwierig und rein spekulativ, ob es unter dem damaligen Sportvorstand Schindelmeiser besser gelaufen wäre. Was man heute aber weiß, ohne spekulieren zu müssen: der Ersatz in Form von Michael Reschke war nicht der erhoffte Glücksgriff. Genau an dieser Entscheidung mache ich die aktuelle miese Stimmungslage innerhalb der VfB-Fanbase fest. Es war in jenem Sommer fast undenkbar, dass man Schindelmeiser entlässt. Es fluppt doch alles – auch ein bereits zwei Wochen vor Schindelmeisers Entlassung veröffentlichter Zeitungsartikel nahm man allenfalls mit einem süffisanten Lächeln wahr.

Als es dann soweit war und die Trennung verkündet wurde, war und ist bis heute noch nicht klar, was eigentlich die genauen Gründe waren. Warum ging es nicht mehr? Was genau ist vorgefallen?

Der ursprüngliche Neu-Anfang war natürlich keine neue Erfindung beim VfB. Nahezu im zweijährlichen Präsidentenwechsel-Modus gab es beim VfB Neu-Anfänge. Nach der Wahler-Ära wollte ich zunächst innehalten und nicht sofort in blinder Hoffnung voll auf den Umschwung hereinfallen und wieder enttäuscht werden. Allerdings war wohl ein Großteil der Fans – mich eingeschlossen – davon überzeugt, dass es jetzt wirklich vorwärts geht. Der VfB verfolgt ein Konzept, jung und wild, der Stuttgarter Weg – konsequent wurde der Kader gemäß den eigens gesteckten Vorgaben aufgebaut. Es schien alles stimmig zu sein – und ja: auch Wolfgang Dietrich passte noch in dieses Konzept. Er war vielleicht nicht jedermanns Liebling, aber der harte Präsident – zuständig für den ganzen Firmen- und AG-Kram. Darin kennt er sich aus. Das sportliche regeln „Slim Shindy“ als Mentor für den konzeptionell ausgesuchten Trainer Wolf. Ja – Hannes Wolf – nicht einfach nur der nächste Trainer aus dem fortlaufenden Trainer-Karussell, der gerade zu haben war. Es musste genau er sein.

Mentor weg, Konzept etwas vergessen und die Misere nahm ihren Lauf. Jetzt stehen wir 2019 wieder vor einem Scherbenhaufen, müssen den schweren Gang in eine schwere Zweitliga-Saisson antreten und irgendwie ist kaum eine Aufbruchstimmung spürbar. Man wird mit der Zeit auch gelassener, gewinnt Abstand zur Firma mit den Relegations-Schals, teuren Holzskulpturen, merkwürdigen Marketing-Aktionen und einem Umfeld, in dem man sich nicht mehr sicher sein kann, ob man unter Gleichgesinnten – einfach VfB-Fans – oder Sympathisanten oder Gegnern der Vereinsleitung ist. Das alles hätte man sich vor gut 10 Jahren nicht im Ansatz vorstellen können, als man sich noch aufgeregt hatte, dass der VfB immer nur eine Halb-Saison top gespielt hatte, um sich in der anderen Halb-Saison wieder komplett um den Erfolg zu bringen.

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